Unsere Natur – eine Illusion? – VISIONEN-ESSAY (07/2016)


  visionen cov-2016_07-kleinVorhin habe ich Madonna’s „Human Nature“ gehört. Die menschliche Natur mit ihren Launen, mit all den Meinungen, von denen wir glauben, sie seien Fakten. Es ist aber auch wirklich nicht immer leicht, beides aus einander zu halten. Was kommt aus uns von innen heraus und was wurde uns beigebracht? Was ist unsere jeweilige Natur und was wurde uns anerzogen? Was bringen wir von Haus aus mit und was haben wir gelernt? Die Natur ist in uns allen. In uns herrscht Blütezeit und Vergänglichkeit, es gibt Stürme und Ruhephasen, wir erleben emotionale Kälte, um uns für Herzenswärme entscheiden zu können.

Irgendwo habe ich mal ein wahnsinnig beeindruckendes Video gesehen. Und zwar ging es um unser Gehirn und um die Frage, ob alles, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, womöglich nur eine Illusion ist. Schließlich ist alles, was wir sehen, hören, ertasten, schmecken nichts weiter als eine Kombination aus chemischen und elektrischen Impulsen, die von den Nervenzellen ans Gehirn geleitet werden. Das, was dort im Gehirn passiert, nehmen wir dann als Ton, Bild oder Schmerz wahr und durch die Wirkweise unseres Gehirns erscheint uns die Welt so, als befände sie sich außerhalb unseres Körpers. Doch können wir uns da wirklich voll und ganz sicher sein? Das war tatsächlich die Schüsselfrage in diesem Video. Unsere Arme und Beine, die wir mit dieser komischen Netzhaut da hinten sehen, sind ja nichts weiter als sichtbar und ertastbar gewordene Frequenzen und Projektionen unseres Gehirns. Und dieses Gehirn mit seinen Windungen, das von Wissenschaftlern außerhalb ihrer eigenen Körper erforscht wird und in mancherlei Hinsicht noch immer ein Geheimnis darstellt… existiert es überhaupt?

Verzeihung, ich schweife ab. Das passiert mir manchmal. Es ist meine Natur. Schon als Kind war ich leicht abzulenken und für Neues zu begeistern. Kommen wir also zurück zur Natur in uns. Wir alle unterliegen einem ständigen Wandel. Unser Körper produziert pausenlos neue Zellen, während andere gerade absterben. Wir wachsen - angefangen bei Haaren und Nägeln - und kreieren (z. B. Gefühle oder Ideen). Das Meiste davon bekommen wir gar nicht bewußt mit. Auf einmal findet ein Lachanfall seinen Weg oder die Wut steigt hoch. Plötzlich ist da diese Wehmut, diese Sehnsucht, diese Leere, diese Traurigkeit.

Und ist es nicht verrückt, dass wir unsere Gefühle selbst kreieren und sie sogar wählen können? Selbst die, die sich unangenehm anfühlen! Warum machen wir das? All das Drama, weil zwischen unserem Neokortex und dem sogenannten „Reptiliengehirn“ (weil es ein so alter Teil des menschlichen Gehirns ist) ein ewiges Missverständnis herrscht. Neokortex (Verstand) sagt z.B.: „Die ist ja unverschämt“ und Reptiliengehirn reagiert mit: „Hilfe, Angriff, Fortbestand ist in Gefahr!“ Oder der Neokortex findet „Das war gerade eine echte Gemeinheit - das tat weh“ und das Reptiliengehirn versteht darunter: „Achtung, wir werden gerade nicht geliebt, wir werden als nicht liebenswert angesehen, sind eine Gefahr für den Fortbestand der Gattung und werden gleich von der Herde ausgeschlossen.“

Die gute Nachricht: der Neokortex, also der Teil des Gehirns, der Urteile fällt, ist bei uns Menschen schulbar! Mit ein wenig gutem Willen und einer guten Portion Achtsamkeit können wir diesem vorderen Gehirnteil beibringen, den Fokus auf die schönen und angenehmen Dinge des Lebens zu legen, so dass wir die daraus entstehende Stimmungslage peu-à-peu als unsere Natur akzeptieren. Das ist eine Fähigkeit, die ihresgleichen sucht!

Unsere Gefühle entstehen übrigens immer erst dann, wenn wir Bruchteile von Sekunden vorher einen Gedanken von entsprechender Qualität produziert (oder durch unser Gehirn prozessiert) haben. Natürlich werden unsere Gedanken mitunter von außen angetriggert. Doch wir müssen nicht in ihnen verharren! Wir haben die Wahl.

Das Loslassen von Gedanken will gelernt sein (Meditation hilft) und Gefühle sind wie kleine Kinder. Sie wollen gesehen und geliebt werden. Wir können unsere Emotion, so unangenehm und schmerzvoll sie in dem einen Moment auch sein mag, bewußt spüren, um festzustellen, dass sie für den Fortbestand unserer Gattung keine akute Bedrohung darstellt. Daraufhin können wir sie wie ein kleines Kind in den Arm nehmen, ihr also zeigen, dass sie zu uns gehört und dass wir sie lieb haben. Denn nur so kann sich die Emotion beruhigen und das Bedürfnis aufgeben, sich beim nächsten Mal noch größer und kräftiger zu zeigen.

Es ist unsere Natur, sämtliche Gefühle mindestens ein Mal zu durchleben. Kein Mensch dieser Erde spürt manche Gefühle nicht. Und wir alle sind in der segensreichen Lage, unsere Gefühlswelt aktiv und bewusst zu gestalten.

Doch Moment… vielleicht ist all das, was Sie hier gerade gelesen haben ja auch lediglich eine Meinung. Eine Meinung die entweder auf Fakten oder eigenen Erfahrungen beruht oder auf anderen Meinungen, die nur wie Fakten aussahen. Und möglicherweise gibt es für jede bisherige wissenschaftliche Errungenschaft eine Ausnahme, eine Art Fakten-Mutation? Es läge in der Natur der Dinge!

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