Die Gabe der Hochsensibilität. Das VISIONEN-Essay (09/2015)


 

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Alles zu viel, alles zu laut, zu grell, zu schnell. Gedanken jagen einander und Unterbrechungen sorgen nicht für Kurzweil und willkommene Ablenkung, sondern für Stress. Ein übellauniger, gekränkter oder genervter Blick von jemandem und die Welt scheint einzubrechen - und zwar über mehrere Wochen, ja Monate. Jemand sagt im fröhlichen Brustton der eigenen Überzeugung „Danke, mir geht’s blendend!“ und die Wahrheit ist dennoch überdeutlich wahrnehmbar. 2 Stunden im Einkaufszentrum sind kein inspirierender Shopping-Bummel, sondern ein Martyrium.

„Was bist du denn schon wieder so empfindlich?!“

„Das nennst du anstrengend?!“

„Herrje, das war doch nicht so gemeint!“

„Was?! Bei so was kommen dir die Tränen?!“

„Du bist aber übertrieben sentimental.“

„Bei dir braucht man ja Samthandschuhe!“

„Ich habe überhaupt nicht geschrien!“

Als ich erstmals mit dem Begriff „Hochsensibilität“ in Berührung kam, öffneten sich mir Türen, die ich zuvor noch nicht einmal habe sehen können. Endlich gab es eine Bezeichnung - etwas Google-bares - für das, was ich seit jeher an mir verändern oder gänzlich überwinden, zumindest aber vor anderen habe verbergen wollen. Alltagssituationen, die für meine Freunde, Kollegen, Bekannten und Familienagehörigen vollends unspektakulär waren, lösten bei mir erhöhte Reizbarkeit, Unruhe, Zerstreutheit, Simmungsschwankungen oder gleich Krankheit aus. Und immer wieder ging ich hart mit mir ins Gericht, war streng zu mir, ruppig und schließlich auch ungerecht. Manchmal so unerträglich streng und ungerecht, dass ich in mancher Situation nur noch austeilen konnte. Ich versuchte, mich einfach besser zu konzentrieren, mich zusammen zu reissen, mich den Wünschen der Mehrheit anzuschließen, den Kloss im Hals weg zu lächeln, die Wut herunter zu schlucken und die Zähne zusammen zu beissen. All das gelang mir mit den Jahren immer weniger.

Gleichzeitig aber fand ich mich zunehmend in Situationen wieder, in denen ich anderen Trost spendete, treffsichere Einschätzungen geben und punktgenaue Antworten auf Sinnfragen erteilen konnte und feststellte, dass ich exakt das fühlte, was jemand in meiner Umgebung fühlte - und zwar eins zu eins. War jemand traurig, stiegen mir die Tränen in die Augen. War jemand tief verletzt oder gekränkt, empfand ich Zorn, obwohl es für mich gar keinen Grund gab. Hatte jemand neben mir Flug-Angst, bekam ich die passende Panikattacke. Oft geschah dies deplatziert und es verunsicherte mich. Ich zog mich zurück und begann Menschenmengen, Parties, Veranstaltungen, Bahnfahrten, Flüge, Autobahnen und Shopping-Eldorados zu meiden. Doch das konnte wohl kaum der Weisheit letzter Schluss sein.

Erkennt sich jemand wieder?

Die Psychologin Elaine Aron hat im Jahre 1997 den Begriff HSP „Highly Sensitive Person“ geprägt, doch schon Carl Gustav Jung beschäftigte sich in seiner Praxis und seinen Studien mit der ungewöhnlichen Erscheinung erhöhter Sensitivität.

Doch was bringt diese besonders ausgeprägte Form des Fühlens, die über das so angestrebte und erforderte Normalmaß hinaus geht, mit sich?

Fakt ist, dass bei HS-Persönlichkeiten die Sinnesorgane zwar nicht mehr Informationen als durchschnittlich aufnehmen, dafür aber weniger Sinneseindrücke aus der Wahrnehmung herausgefiltert werden, weswegen bei durchschnittlichem Alltagsgeschehen eine permanente Reizüberflutung stattfindet. Kommt zu dieser erhöhten Sensibilität der Sinne auch noch eine gewisse emotionale Sensitivität hinzu, treten gerne Phänomene auf wie ein Höchstmaß an Empathie, treffsichere Intuition, deutliche Zukunftsvisionen, Hellsichtigkeit oder Medialität - eben Gaben, die sich deutlich von handwerklich nachvollziehbaren Talenten unterscheiden und von den Betroffenen zunächst als unheimlich oder peinlich eingestuft und daher im Verborgenen gehalten werden. Dabei können genau diese Fähigkeiten die Basis für wunderbare Erfolge als Coach, Therapeut oder Berater darstellen bzw. die Führungsqualitäten eines Abteilungsleiters unbezahlbar machen.

Entscheidend ist der Umgang mit diesem Phänomen. Niemand wird mir Ruhepausen, Stille und Rückzug aufoktroyieren, außer ich mir selbst. Bin ich damit nachlässig, meldet sich mein Körper mit entsprechenden Symptomen. Es ist zwar schön, wenn sich mein Umfeld rücksichts- und verständnisvoll zeigt, doch die Verantwortung für mein Wohlergehen liegt immer noch bei mir.

Wer hochsensibel ist, tut gut daran zu erkennen, dass z.B. intensive und emotionale Gespräche, Konzertbesuche, Hintergrundmusik oder geräuschvolle Restaurantbesuche nur in geringer Dosis (kurzer Dauer) oder mit mehrfacher Unterbrechung / Rückzug  erträglich sind.

Ein Tipp für alle, die sich trotz ihrer Hochsensibilität in eine Menschenmenge, ein Großraumbüro oder zu einer Familienfeier begeben müssen oder wollen: Stellen Sie sich deutlich sichtbar und spürbar vor, wie Sie von einem schützenden Ei umgeben sind, das von außen verspiegelt ist, und das alle Stör-Faktoren schützend von Ihnen weg reflektiert. Legen Sie außerdem für einige Sekunden eine Hand auf Ihr Herzchakra und die andere auf den Solarplexus, um diese beiden Energiezentren zu schließen. Das hilft Ihnen, länger als nur z. B. 10 Minuten gesellig zu sein.

Passen Sie auf sich auf, denn niemand außer Ihnen selbst ist für Ihr Wohlergehen zuständig.

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